An den
Ersten Bürgermeister und Präsident des Hamburger Senats
Herrn Ole von Beust
Ihr Artikel in Spiegel-Online vom 1.10.2009
Sehr geehrter Herr von Beust,
mit Verwunderung habe ich Ihre Aussage in in o.a. Artikel gelesen, die CDU müsse von der Piratenpartei lernen, wie man über das Internet an potenzielle Wähler herankomme.
Ich glaube. Hier können die etablierten Parteien nichts mehr lernen. Die technischen Voraussetzungen beherrschen alle, auch die CDU. Auch weiß man dort sehr wohl, wo die einzelnen Foren sind.
Die von Ihnen erwähnte „sehr gute Mobilisierung“ der Wähler der Piratenpartei, war allein das Verdienst von CDU und SPD. Merkwürdigerweise hat die CDU anscheinend nicht wahrgenommen, dass es Gesetze, Gesetzesvorhaben und Ausführungen wie Vorratsdatenspeicherung, Onlinedurchsuchung, Videoüberwachung, Bundestrojaner, CSR in vorauseilendem Gehorsam, Abschaffung des Bankgeheimnisses sind, um nur einige zu nennen, die den Piraten diesen Zulauf bescherten.
Die CDU hat sich zu einer Partei entwickelt, die die Freiheit nur noch als Lippenbekenntnis führt. Von vielen anderen Tatsachen wie ständige Steuer- und Sozialabgabenerhöhung, steuerliche Benachteiligung des Mittelstandes etc. ganz zu schweigen. Machen Sie endlich wieder Gesetze für den Bürger und nicht gegen ihn. Dann werden Sie auch wieder respektable Wahlergebnisse mit der CDU erzielen.
Die Piraten haben keine zwei Prozent erhalten, weil sie im Netz so aktiv sind sondern in erster Linie weil sie eine vernünftige Stellung zum Medium Internet und zur Freiheit beziehen. Ich bin jetzt 55 und mich rechnet man im Allgemeinen nicht mehr zur Generation Internet, dennoch kenne ich mich auch beruflich - sehr gut im Internet aus und nehme regelmäßig an Diskussionen in Foren teil. Wenn die CDU versuchen sollte, mit dem jetzigen Programm im Internet Stellung zu beziehen, dann werden die dazu gehörigen Kommentare sicher nicht Ihr Gefallen finden.
Es wäre schade, wenn die CDU, weil sie die Stimmung unter vielen Bürgern ungenügend wahrnimmt, in Größenordnungen der SPD rutschte. Die CDU sollte endlich wieder für soziale Marktwirtschaft stehen, für Freiheit und für das Wohl des eigenen Volkes.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Weberstetter |